15 Jahre LKJ-Kultur – Radio LOTTE feiert mit

Die Landeszentrale für kulturelle Jugendbildung (LKJ) feierte am 4. Juni 2016 das erfolgreiche Projekt „FSJ Kultur“. Seit 15 Jahren ist es möglich, nach dem Schulabschluss ein Freiwilliges Jahr zu absolvieren.


13.000 Freiwillige in 15 Jahren
Diese Zahl ist beeindruckend, vor allem wenn man sich an die fast schon zaghaften Anfänge des Freiwilligen Sozialen Bereichs in der Kultur erinnert. Zum Erinnern lädt das große Fest anlässlich des 15 Geburtstages dieses immer wichtiger gewordenen Teils der kulturellen Jugendbildung in Thüringen auch ein. Vor allem aber soll gefeiert werden und nicht ohne Stolz präsentiert werden, was man während seines FSJ alles erleben kann.

vielseitige Workshops
An diesem Tag zieht die LKJ alle Register und präsentiert unzählige Workshops. Man kann Impro-Theater ausprobieren, sich an der Graffiti-Wand oder beim Grafikdesign versuchen; ein paar Kinder spielen mit allerlei Zirkus-Requisiten, es gibt einen Musik-Workshop – und um das Eigentliche nicht zu vergessen, das Feiern nämlich, werden zahlreiche kulinarischen Feinheiten angeboten. Die Vielseitigkeit des FSJ liegt den Veranstaltern der LKJ sehr am Herzen, weshalb auch viele ehemalige Freiwillige an diesem Tag angereist sind, um zu berichten, welche Erfahrungen sie in ihrem Jahr gesammelt haben. Das Ziel ist an diesem Tag auch, künftige Anwärter für ein Freiwilliges Jahr neugierig zu machen. So gibt es also genau die richtige Mischung aus Lernen in Workshops und Spaß haben beim exklusiven Phrasenmäher-Konzert, wie man das als Freiwilliger auch aus seiner Einsatzstelle kennen lernen könnte.

Laura und Tom beim Graffiti-Workshop

Phrasenmäher Konzert (Ausschnitt)

Tom beim Improvisations-Workshop

Erfahrungsaustausch
So vielseitig, wie die Angebote an diesem Tag, sind auch die Aktivitäten der Freiwilligen. Wir erfahren von Karo, die ihr FSJ bei der LKJ selbst absolviert, dass sie trotz vieler Büroarbeit auch viel mit Jugendlichen in entsprechenden Kultur-Seminaren und ähnlichen Veranstaltungen zu tun hat. Eva, die derzeit beim Kinderzirkus arbeitet, berichtet vom spielerischen Umgang mit Jonglage-Geräten und anderen Zirkus-Gegenständen.

FSJ auch bei Radio Lotte
Auch Radio Lotte Weimar greift seit vielen Jahren auf Freiwillige zurück und wäre ohne deren Hilfe nicht selten aufgeschmissen. Aus einem Freiwilligen Jahr nehmen die Jugendlichen aber auch viel mit. So stärkt es sie bei der Orientierung und bekräftigt sie auf ihrem künditgen Lebens- und Arbeitsweg.
15 Jahre FSJ-Kultur – ein spannender Tag mit vielen Erinnerungen und auch neuen Eindrücken geht spektakulär mit Phrasenmäher als Star-Gäste zu Ende. Auf die nächsten 15 Jahre!

Und hier geht’s zum Radiobeitrag vom 16.06. 2016:

Danke für die Sendungsübernahme

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Unsere Partner bei der Übertragung der Sondersendung aus München

Viele Person waren an unserer 7. Sondersendung live aus München beteiligt. Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an alle Bürgerradios, die unsere Sendung live übernommen haben oder zu einem späteren Zeitpunkt noch ausstrahlen werden:

Lohro (Rostock), OK Schleswig-Holstein (Kiel), Radio Corax (Halle), Radio Dreyeckland (Freiburg), Radio Enno (Nordhausen), Radio Free FM (Ulm), Radio Frei (Erfurt), Radio Lora (München), Radio SRB (Saalfeld, Rudolstadt, Bad Blankenburg), Radio Weser TV (Bremen, Bremerhaven, Nordham), Stoehrfunk (Hannover), Wartburg-Radio (Eisenach)

Die Aufklärung des NSU muss weiter gehen: Der Fall Kiesewetter

Der NSU-Prozess geht wahrscheinlich seinem Ende entgegen, die Aufklärung muss jedoch unbedingt weitergehen. Unser Kollege Johannes Meinecke warf einen Blick zurück und stellte fest: Noch lange ist längst nicht alles klar. Zeugen die reihenweise sterben, Verstrickungen der Polizei und des Verfassungsschutzes, sogar der leitenden politischen Riege in Baden-Württemberg – und ein unglaubwürdiges Mordmotiv.

Der Fall Michèle Kiesewetter – der  rätselhafteste Mordfall in der Geschichte des NSU – ist auch mit dem nahenden Ende des Prozesses kein Stück durchschaubarer geworden. Johannes Meinecke gibt uns in seinem Kommentar einen Überblick über den Mord an der Polizistin und den Leichen die ihm folgen.

„Der schwarze Nazi. Eine Filmgroteske“

Andreas Förster mit Mo Asumang an unserer Senderikscha
Andreas Förster mit Mo Asumang

Seit dem ersten April läuft der Film „Der schwarze Nazi“ in den Kinos. Er handelt von dem Kongolesen Sikumoya, der als Flüchtling nach Deutschland kam. Ohne deutsche Staatsbürgerschaft droht ihm nun die Abschiebung. Obwohl er sich zum deutschen Bildungsbürger entwickelt hat, wirft man ihm fehlende Anpassung vor. Verschiedene Ereignisse führen zum völligen Kollaps. Als Sikumoya aus dem Koma erwacht, ist er der „perfekte Deutsche“ und wird radikaler Nazi, der seine Vorstellungen vom „Deutschsein“ schließlich auch gegen seine rechten Kamaraden richtet.

Karl Friedrich König zieht für Shanghai Drenger Bilanz über den Erfolg des Independent-Films, der zum Teil mit Hilfe von Crowdfunding und Sponsoring finanziert wurde. Er berichtete auch über die Schwierigkeiten, den passenden Schauspieler für die Rolle zu finden und über die Zusammenarbeit mit seinem Bruder, Tillmann König, als Regisseur und Drahbuchautor.

„…, weil Deutschland doch ein Rechststaat ist!“ – Eine künstlerische Annäherung an den NSU-Prozess

Die gebürtige Münchnerin Maja Das Gupta ist Dramatikerin und hat bereits eine ganze Reihe von Tagen im Gerichtssaal zugebracht, um den NSU-Prozess zu beobachten. Zur Zeit arbeitet sie an einem Hörspiel mit dem Arbeitstitel „…, weil Deutschland doch ein Rechtsstaat ist!“. Es soll am 6. September im SWR ausgestrahlt werden.

Shanghai Drenger wollte von Maja Das Gupta wissen, was sie dazu bewogen hat, sie sich den Prozess aus der Nähe anzuschauen. Sie erzählte ihm auch, welche Themen sie besonders interessieren und warum man sich trotz des laufenden Prozesses auch künstlerisch mit dem Thema auseinander setzten sollte.

Mo Asumang rät zum menschlich Bleiben – Erfahrungen einer afrodeutschen Frau mit Rechtsradikalen

o Asumang an unserer Senderiksch
Mo Asumang im Gespräch mit Silvie Fischer

Mo Asumang ist Tochter einer Deutschen, ihr Vater stammt aus Gahna und bekannt wurde sie als TV-Moderatorin. Als Filmemacherin drehte sie den Film „Die Arier“ und knüpft jetzt mit ihrem Buch „Mo und die Arier. Allein unter Rassisten und Neonazis“ daran an. Eigene Erlebnisse mit Rassismus begleiten sie ihr Leben lang, mit ihrem Buch konnte sie dieses Thema intensiver verarbeiten.

Anlass für ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus war eine Morddrohung durch die Band „White arien rebles“, darin hieß es: „Diese Kugel ist für dich, Mo Asumang!“ Seitdem ist sie von dem Thema nicht mehr losgekommen, sie möchte herausfinden wie Rassismus funktioniert.

Mit Silvie Fischer sprach Mo Asumang über Erfahrungen mit der Neonaziszene als farbige Frau. Sie ist sich sicher – man darf und kann nicht alle Rassisten über einen Kamm scheren. Mo hat sich vorgenommen, selber Mensch zu bleiben und mit den einzelnen ins Gespräch zu kommen. Unter anderem lernte sie eine Person kennen, die aus der Szene ausgestiegen ist. Mit ihr steht sie noch immer in Kontakt und ist beeindruckt von seiner Entwicklung. Uns berichtet Mo Asumang von einer ganz besonderen Begegnung mit dem führenden Neonazi Amerikas, Tom Metzger.

Auch in der Kunst hinterlässt der NSU-Prozess Spuren

„Dann steh auf und misch dich ein: Sage nein!“

Konstantin Wecker ist einer der großen deutschen Liedermacher und hat sich während seiner Karriere immer wieder politisch engagiert. Sein Aufruf, sich einzumischen, stammt aus dem Jahr 1993. Ein Jahr zuvor brannten im wiedervereinten Deutschland die ersten Flüchtlingsheime und es kam zu Ausschreitungen von Rechts. Zum Flüchtlingsthema bezieht Konstantin Wecker auch jetzt klar Position und setzt sich für eine Willkommenskultur ein.

Seit drei Jahren wird in München, der Heimatstadt des Liedermachers, der NSU-Prozess verhandelt und auch hier mischt er sich ein und stellt kritische Fragen bezüglich der Rolle von Staat und Geheimdiensten. Auch die Medien kommen bei ihm nicht so einfach davon.

Gunner Hamann hat Konstantin Wecker gebeten, für uns ein Fazit zum Prozess zu ziehen und die Bedeutung von Kunst und Satire für die politische Bildung zu bewerten. Stimmt der Eindruck, dass sich seine Kollegen nicht kritisch genug verhalten?

Wirkliche Aufklärung? – Woran sich zeigt, dass daran nicht mehr zu glauben ist

Thomas Wüppesahl von der Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten steht dem Erfolg des NSU-Prozesses sehr kritisch gegenüber. Die Gründe dafür sind vielfältig, die mangelnde Aussagebereitschaft von Zeugen ist einer davon.

Polizistinnen und Polizisten haben einen Eid geleistet, sich für Recht und Gesetz einzusetzen. Dennoch geraten die Beamten in Konflikte, wenn sie gegen Kolleginnen und Kollegen oder gar Vorgesetzte aussagen sollen. Mit Thomas Wüppesahl sprach Silvie Fischer über die Konsequenzen, die sich aus dem Zwiespalt zwischen Wahrheit und Korpsgeist, Gewissen und offiziellen Ermittlungsergebnissen ergeben können. Sie betreffen nicht nur das Privatleben der betroffenen Beamten, sondern verschleppen auch die Aufklärung im NSU-Prozess.

Dies ist aber nicht der einzige Grund, warum Thomas Wüppesahl nicht mehr an eine Aufklärung der NSU-Mordeserie durch das Münchner Oberlandesgericht glaubt. Der fehlenden Aufklärungswille zeigt sich auf zu vielen Ebenen. Deutlich wird das vor allem an den neuesten Erkenntnissen zum Todesfall des V-Mannes Corelli und im Fall der abgelehnten Beweisanträge zu Ralf Marschner

Wie recherchieren und berichten investigative Journalisten zum Thema NSU?

Andreas Förster an unserer Senderikscha
Andreas Förster im Gespräch mit Silvie Fischer

Andreas Förster ist investigativer Journalist, Autor und Herausgeber des Buches „Geheimsache NSU: 10 Morde, von Aufklärung keine Spur„.

Silvie Fischer sprach mit ihm über ein Thema, das auch die Arbeit von Radio Lotte betrifft: die Berichterstattung. In ihrem Gespräch mit Andreas Förster wird deutlich, dass sich die Recherche zum NSU-Prozess als schwierig erweist, sobald man sich an die Behörden wendet. Diese geben keine oder falsche Auskunft und wollen den Prozess schnell zu Ende bringen. Im Fall Corelli zeigt sich, was falsch lief zwischen Verfassungsschutz, staatlichen Behörden und NSU. Dinge werden zurückgehalten oder gar vernichtet, obwohl sie noch von Bedeutung sind. Doch auch bei einem Prozess, der wie in diesem Fall bereits über drei Jahre läuft, kann ein Journalist noch neue Details zu Tage bringen.

Ein weiteres Verfahren gegen Neonazis am Münchner Oberlandesgericht: Der Prozess gegen die „Old School Society“

Robert Andreasch an unserer Senderikscha
Robert Andreasch im Gespräch mit Shanghai Drenger

Am 6. Mai flog mit der „Old School Society“, kurz OSS, eine weitere rechtsterroristische Organisation in Deutschland auf. Ihre Mitglieder hatten zwar noch keine Straftaten begangen, aber sie kauften Pyrotechnik und planten Anschläge auf Moscheen und Asylbewerberheime.

Robert Andreasch ist Journalist und arbeitet für den NSU-Watch. Er berichtet nicht nur vom NSU-Prozess, sondern beobachtet auch das Verfahren gegen die vier angeklagten Mitglieder der „Old School Society“, das ebenfalls vor dem Oberlandesgericht in München verhandelt wird.

Shanghai Drenger wollte von ihm wissen, aus wievielen Personen die Gruppe bestand und was den Angeklagten vorgeworfen wird. Ihre Einstufung schwankt zwischen „hochgefährlich“ und „dümmste Terrorgruppe der Welt“. Robert Andreasch schätzt das für uns ein und erklärt, worin sich die OSS vom NSU unterscheidet.